10 verrückte SAIKU Jahre

Die Illu zeigte etwas von unsem Selbstverständnis ©  Nick Böse

Die Illu zeigte etwas von unsem Selbstverständnis © Nick Böse

Von Motoki.

Kürzlich haben wir festgestellt, dass es nun schon über 10 Jahre her ist. Wir fingen damals an, aus einem geteilten Hinterhofbüro mit Bandraum und Lagerflächen eine Art CoWorking und CoCreation Idee zu formen, die mehr werden sollte, als nur ein weiteres Projekt. Eine richtig gemeinsame Sache, eine Identität, eine Kultur, ein Miteinander mit Kreativen und Verrückten an Board. Entsprechend bunt waren die Versuche einer Namensgebung, von Eisberg Projekt (wir hatten einen riesen Keller) bis hin zu Freibeutern – damals gab es die Piratenpartei noch nicht (bezeichnenderweise wurden die später unsere Nachmieter), sonst wäre das auch noch eine Alternative gewesen.

Wir waren ohne jeden Plan (das bedeutet ohne große finanzielle Basis), teilten aber fast alles, was wir für unser Leben für bedeutsam hielten: Rechner, Schlafsäcke, Praktikanten, Freundschaften, Klaviere, Kameras, Objektive und Amps.
Sogar gemeinsame Räume zum Leben suchten wir. Hätten wir damals mehr Ahnung davon gehabt, was es für Möglichkeiten zur Förderung gab, hätten wir uns vielleicht auch freshX genannt und bei Innovations- und Kulturfonds fleißig Anträge abgegeben.
So blieb das Ganze weitestgehend unter dem Radar, es gab immer wieder kleine oder größere Berichte über unsere Formate und Aktionen.

Viele beschrieben die Stimmung zwischen verrückt & verdeckt, passend zu unserem liebevollen, kautzigen Vermieter und unserer Hinterhofkulisse. Ein Besucher titelte einmal spontan beim Betreten unserer Räume: „Das ist ja wie bei Baader-Meinhof hier!“. Damit meinte er wohl eher das Chaos als die Politik. Die Hinterhöfe waren tatsächlich eine Konstante bei SAIKU (soviele Konstanten gab es dann auch nicht). Ob in der Robertstraße oder in der K14, auch bekannt als Katholischer Bahnhof, den uns die Architekten Meinhof (Namensähnlichkeit hier rein zufällig), als Freunde und geheime Vermieter unserer Konzerte, überließen.

Und was tat sich drumherum so? Wir waren in vielen Clubs, aber auch auf ökumenischen und katholischen Kirchentagen, Vineyard und ICF Konferenzen eingeladen – immer wieder unterwegs, Stillstand und in Ruhe verweilen lag uns nicht so.

Mit  Kosho,  Jam Session im  Kulturpalast Linden .

Mit Kosho, Jam Session im Kulturpalast Linden.

Aus dem Ganzen sind eine Menge Videos für Freunde und Bands mit der ganzen erweiterten SAIKU & Röhrsdorf Familie, Initiativen, Gemeindegründungen und ein informelles Netzwerk von Freunden, Familie und Gleichgesinnten entstanden.


Ein Schaufenster waren immer wieder die Matinées in unserem geliebten Apollo-Kino – mit echtem Filmvorführer, Popcorn, Live Gästen und allem drum und dran.

Mit  Kosho,  Jam Session im  Kulturpalast Linden .

Mit Kosho, Jam Session im Kulturpalast Linden.

Das klingt jetzt nach einer Menge Spaß und den hatten wir auch – aber auch ernste Themen erreichten uns. So müssten wir Abschied nehmen, Trauerfeiern gestalten, durften aber auch Kinder segnen und Treueversprechen verzieren.

Geblieben ist der Traum, mit Freunden und Verrückten etwas ausserhalb der klassischen Organisationen und manchmal auch ausgetretenen Pfade zu gestalten. Ach so, SAIKU steht für „zerbrechliche Kunst“ und wollte auch immer einen Impuls setzen, berühren und Neues ausprobieren. Wir haben immer wieder versucht, das Ganze in Manifesten und Selbstbildern zu beschreiben – waren aber nie gut darin.

Schön war und ist es immer noch, mit den Menschen auf dieser Reise zu sein.

Wo ist SAIKU geblieben? Es hat etwas von diesem „Flüchtigen“, wovon wir auch im Thomasevangelium lesen können. Und Apostel und Propheten sollen ohnehin nicht zu lange verweilen, haben wir aus der Sache gelernt.

Insofern hat SAIKU nie aufgehört, zu existieren und wird sich auch bald wieder hier an da wieder zeigen – versprochen.

Jessica MartensComment